Slow Food aus Wien: Besuch bei der Wiener Schnecken Manufaktur Gugumuck

Slow Food aus Wien: Besuch bei der Wiener Schnecken Manufaktur Gugumuck

Vor einigen Wochen haben wir die Marktwirtschaft in der Siebensterngasse besucht. Beim Durchstöbern des doch ausgefallenen Sortiments sind mir Gläser mit dem Aufdruck „Wiener Schnecken“ aufgefallen. Daheim habe ich dann nachgesehen, wer denn bitte Schnecken in Wien züchtet, und bin erstmals auf Herrn Gugumuck aufmerksam geworden. Da ich die Idee so interessant gefunden habe, und mehr wissen wollte, habe ich gleich eine Tour zur Schneckenfarm gebucht. Im Wissen, dass die Schnecken vom Hörensagen einen schlechten Ruf haben, erzählte ich meiner Begleitung zuerst sehr allgemein, es ginge um eine "Tour beim einem Bio-Slowfood-Bauen".

200.000 Schnecken und eine Familie

Der Schneckenhof liegt etwa 20 Minuten vom Zentrum entfernt. Gegenüber des gar nicht so groß wirkenden Schneckenfeldes befinden sich alte Hofgebäude, die seit rund 300 Jahren im bäuerlichen Familienbesitz sind. Dort leben mehrere Generationen der Gugumucks, zusammen mit einer Vielzahl an Tieren und rund 200.000 Schnecken.  

Das ganze Anwesen und die Atmosphäre sind sehr idyllisch. Wir waren etwas zu spät angekommen und eine Gruppe von rund 30 Personen allen Alters saß bereits auf Bänken unter einem großen Baum vor dem Schneckenfeld. Andreas Gugumuck erzählte, was ihn zur Schneckenzucht gebracht hatte, wie sein Betrieb funktionierte und Wissenswertes über Schnecken und ihre Geschichte in Wien.

Schneckenkitzeln macht schön

Was ich von der Vielzahl an Informationen mitgenommen habe: Wien ist seit den Römern ein Schnecken-Gebiet. Die Schnecken-Häuser hat man bei Ausgrabungen in den alten Römer-Küchen gefunden. Im 18. Jahrhundert galt Wien als Schnecken-Hochburg und vor der Peterskirche gab es sogar einen eigenen Schneckenmarkt. "Schneckenweiber" boten die kleinen Schleimer dort feil. Die „Wiener Auster“, wie Andreas Gugumuck sie auch gerne nennt, kann aber nicht nur gegessen werden, sondern dient auch als Beauty-Produkt. So kann man eine lebendige Schnecke im Haus „kitzeln“ und diese beginnt dann einen Schaum auszusondern. Der soll als wunderbares hautverjüngendes Mittel dienen und kann direkt auf Falten aufgetragen werden, was bei der Besichtigung des Schneckenfeldes dann auch probiert wurde.

Kaviar, Leber und Wein

Gegen Ende der Wissenstour gab es noch eine Kostprobe. Mobile Grillgeräte standen schon bereit. Darin wurden Schneckenteller zubereitet. Dazu gab es einen Wein aus der Umgebung. Da Herr Gugumuck am Vortag eine Veranstaltung mit Mehrgänge-Schnecken-Menü hatte, bei dem rund 20 der Vorspeisen übrig blieben, bot er uns an, auch diese zu probieren. Das waren in kleinen Dosen angerichtete Schneckenspezialitäten wie Leber oder Schneckenkaviar. Dazu wurde uns noch die Entstehung des Schneckenkaviars erklärt, der in der eigens gebauten Liebeskammer für Schnecken im Hof gezüchtet wird.

Wir hatten einen tollen und ziemlich lehrreichen Nachmittag auf der Schneckenfarm. Mein Interesse an Schnecken konnte durchaus geweckt werden. Eine Tour zur Schneckenmanufaktur kann ich nur jedem empfehlen. Als erstes Date kann man damit sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Kontakt und Öffnungszeiten

Andreas Gugumuck

Rosiwalgasse 44
1100 Wien
Mo.-Fr.: 8:00 - 16:00 Uhr
 

"Kaffee mit Vaseline und Zinksalbe" - Le Mercerie

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Garderobe mit vintage Möbeln

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