Myanmar - Thailand (Tag 8)

Myanmar - Thailand (Tag 8)

Tag 8 - Slowfood, Autobahn und Rum

So wirklich viel stand heute nicht am Tagesprogramm. Unser guter Freund Mr. Pyea erwartete uns um neun Uhr in der Stadt Inle. Von dort aus sollte es mit dem Auto wieder zurück nach Mandalay gehen. Wir absolvierten unsere tägliche Morgenroutine. Alex: Yoga und Instagramm-Selfie. Ich: war davon genervt und trank braune Brühe. Marlene und Dani: gingen auf Euro-Amerikanische Frühstücksjagd. Jeder hatte seine Rolle gefunden und erfüllte sie schon ganz gut.

Nach Hotel-Check-Out und der kurzen Bootsfahrt mit letzten Fotos vom See nahm uns Mr. Pyea wieder freundlich entgegen.

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Es schien so als hätte er in seinem Kleinbus geschlafen. "Mingalaba" lächelte er uns entgegen, öffnete die Bustüre und rieb sich verschlafen die Augen. Hatte er die letzten Tage hier auf uns gewartet? Wir diskutierten das kurz und schlossen das Thema dann ratlos. Er sollte einfach mehr Trinkgeld bekommen. Die Rückreise nach Mandalay gestaltete sich nicht so aufregend wie die Hinfahrt. Die meisten Fotostops hatten wir ja schon gemacht. Sogar der Trupp Straßenarbeiter war nur ein paar Meter weiter die Autobahn entlang gerückt. Also schliefen alle.

In irgendeinem Dorf parkte Mr. Pyea für eine Klo/Fotopause. Dazu brachte er uns in ein kleines Restaurant. Am Weg zum Klo sah ich fasziniert die offene Feuerstelle auf der für die geschätzten hundert Sitzplätze alles zubereitet wurde: Offnes Feuer, Holzofen und Kochen mit der Hand ohne Maschinen. Bei uns würde das unter sünd teures Slow-Food fallen. Und alle Hipsters stünden Schlange. Mr. Pyea kaufte ein paar Portionen an unterschiedlichen Gerichten. Wir beäugten alles skeptisch. Aber scheinbar waren wir nicht die ersten Touristen die er umher fuhr. Wie ein alter Profi nahm er sogar Marlene die Angst und erkläre was die ominösen Dinge waren. Es schmeckte allen. 

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Trotz viel weniger Pausen als bei der Hinfahrt, brauchen wir am Rückweg nach Mandaly auch sieben Stunden. Der Zustand der neuen Autobahn lies nicht mehr als eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 80km/h zu. Aber auch die Fahrradfahrer oder Ochsen die hier und da auf der Autobahn umhergurkten waren nicht unbedingt Speedbooster. Ich dachte an Mr. Tong. Er erzählte uns wie sehr sich das Land in den letzen Jahren verändert hätte. Vor Allem welchen positiven Aufschwung es seit 2011 es gegeben hätte. Während wir über die Autobahn rumpelten, konnte ich das so nicht wirklich nachvollziehen. Mr. Tong sprach auch viel über Informations-, und Meinungsfreiheit. Hier dürfte sich innerhalb kurzer Zeit viel getan haben. Eine SIM-Karte mit Internet war überall zu bekommen und kostete 3.000 Kyat. Das waren so zwei Euro. Tong sagte, dass es bis vor wenigen Jahren quasi unmöglich war als Privatperson ein Händy mit Internet zu besitzen. Man musste damals hunderte Doller pro Mb zahlen. Mit diesem einfachen Trick regulierte die Militärdiktatur den Informationsfluss im Land. Auf unserer Tour durch Mandalay, sprachen wir mit Mr. Tong aber viel über privates und sein Leben.

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Die Momente in denen wir seine Geschichtsstunde unterbrechen konnten, mussten wir nutzen. Um Geld zu verdienen hatte er, wie viele Burmesen, jahrelang in Dubai gearbeitet. Nur jedes zweite Jahr konnte er seine Familie besuchen kommen. Nun hatte er genug Geld gespart und gehörte der oberen Mittelschicht an. Er konnte sich nun ein eigenen Haus bauen. Bereits vor zehn Jahren hatte er sich einen Hektar Baugrund gekauft. Damals um 4.000$. Durch die vielen Änderungen im Land war der Grund heute 40.000$ wert. In Myanmar, wo ein Coke Zero im Lokal 0.50$ kostet, ein Vermögen. Viele dieser Stories gingen mir bei der langen Rückreise durch den Kopf. Die Fahrt verging wieder total schnell und schon fuhren wir in das Armutsviertel rund um Mandalay ein. Hier war es einfach nur traurig. Pyea erklärte uns, dass die vielen Menschen die hier am Straßenrand Strohhütten errichtet hatten vor den Überschwemmungen in ihren Dörfern geflohen sein.

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Schnell aber versuchte er das Gespräch in Richtung der wunderschönen Pagoden und des alten Königspalastes zu bringen. Scheinbar wollte er nicht dass wir diese Seite des Landes sehen. 

Ich hatte einen letzen Marktbesuch in unseren Tagesplan reinreklamiert. Kurz nach vier fuhren wir am Zygon Markt vor. Pyea gab uns eine Stunde die er wartete, dann wollte er uns zum Hotel bringen. So wie bei unserem ersten Besuch - Stress pur. Wie als würden wir unseren Anschlusszug verpassen, hetzten wir als einmal durch die Gänge und Stände.

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Dann war es auch schon vorbei. Es hatte sich so mittelmäßig rentiert: Ich war unglücklich so wenig Markt gesehen zu haben. Die Anderen waren gestresst und genervt als wir kurze Zeit später beim Hotel ankamen. Nun war die Reisegruppe endgültig erschöpft, hungrig, musste dringend duschen und rasten. Während das Alles geschah stieg ich in ein Taxi und fuhr wieder in die Stadt. Es war mir noch zu wenig Myanmar. Die Stunden die mir noch blieben wollte ich lieber in der Stadt verbringen. Duschen konnte ich auch in Thailand wieder, außerdem regnete es eh. Die nächsten Stunden verbrachte ich in einem Myanmarischen Hipster Caffee. Kellner und Gäste waren amerikanisch gekleidet, es gab viele MacBooks und iPhones und richtigen Caffee. Ich war zufrieden und machte mich wieder auf den Rückweg. Der Rest der Reisegruppe war bereits geduscht, gefüttert und leicht betrunken. Im Hotel zurück plünderten wir die Minibars. Marlene meinte es war wie am Skikurs. Bereits damals hatte sie geübt mit den Burschen im Abends im Zimmer zu saufen. Ja in der Schule lernt man eben fürs Leben. 

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