Myanmar - Thailand (Tag 5)

Myanmar - Thailand (Tag 5)

Tag 5 - Schulen, Lehrer und Lernumwillig

Alex hatte uns für den heutigen Tag einen Guide für Mandaly organisiert. So richtig hatte sich keiner von uns über die Stadt informiert. Aber schließlich war ja Urlaub. Ein Einheimischer sollte heute das Denken für uns übernehmen. Um neun Uhr würde unser Guide Mr. Tong auf uns vor dem Hotel warten, um uns durch die zweitgrößte Stadt des Landes zu führen. Taxifahrer inklusive. Ich war gespannt.

Die wichtigen Dinge erledigten wir zuerst noch selbst. Marlene und Dani durften diesmal am Hotelfrühstück teilhaben. Mehr oder eher weniger zufrieden stocherten sie dann misstrauisch auf ihren Tellern umher. Alex kümmerte sich um seinen Durchfall, während ich die Hotelumgebung erkundete. 

Am Abend zuvor waren in die Seitenstraßen viele Garküchen eingerollt gewesen. Einheimische saßen auf Plastiksesseln. Es duftete nach unbekannten Speisen, Gewürzen und Medizin. Ja auch die wurden verkauft. Ich fühlte mich beim Durchgehen wie auf einem großen Kirtag: man kennt einander und setzt sich zum Essen und trinken zusammen. Nur sich im Schritttempo vorbeidrückende Autos erinnerten daran, dass es sich hier um das normale Abendtreiben in der zweimillionen Metropole handelte.

An diesem Morgen waren die Straßen voll von kleinen Gemüse, Fisch und Fleischverkäufern. Wie Lignano-Sonnenbrillenverkäufer breiteren die Händler am Boden ihre Verkaufsflächen aus. Viele der frischen Waren hatte ich noch nie gesehen. Immer wieder blieb ich länger stehen und musste verwundert schauen.

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Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, so auch bei uns, wurde ich beim Durchspazieren nicht einmal aufgefordert etwas zu kaufen oder mit "speziellen" Angeboten gelockt. Die Menschen lächelten mich einfach nur an. Diese Freundlichkeit war ich nicht gewohnt und wusste nicht damit umzugehen. Meine Thailand-Erfahrung konnte mir nicht helfen. Dort war jede Unterhaltung eigentlich Verkaufsgespräch. Fast wie amerikanischen Filmen, wenn der skechty Autohändler die neulackierte Rostlaube an den Mann gebracht hatte. Aber das ist eben auch ein Teil des Thais-Erlebnisses. Hier in Mandaly bei meinem morgendlichem Spaziergang war mir dann schon etwas komisch. Alle waren so nett. Das kann doch nicht normal sein oder bin nur ich so schlecht?

Um neun Uhr traf ich wieder vorm Hotel ein. Mr. Tong wartete bereits. Er fing gleich zu reden an und erklärte uns den Tagesplan. Sein ziemlich starker Burm-englischen Akzent war für mich in den ersten Minuten echt hart zu begreifen. Ich verstand vielleicht ein Viertel von dem was er sagte. Daher übte ich mich in burmesischer Mentalität und lächelte freundlich und nickte alles ab. Das machte mir aber keine Sorgen. Bei meinen Kärntner Freunden war es anfangs genauso. Nach etwas Eingewöhnung verwandelte sich mein Nicken dort auch echtes Verständnis. Marlene und Dani schien es ähnlich zu gehen. Sie schauten mich fragend an. Ich schaute fragend zurück. Wir alle lächelten freundlich. Dann stiegen wir ein und es ging los.

Der erste Stop führte uns zum großen Markt der Stadt. Der Zegyo Market. Ein sechs stöckiges Hauptgebäude, umgeben von hunderten Marktständen. "I give you fourty minutes". Mr. Tong Zeitpan war sehr straff und da gab es keine Diskussion. Wie die Entenmama führte er unsere Gruppe durch den Markt. Immer wieder blieb er stehen, wartete bis alle nachgewatschelt waren und erklärte was denn das alles für sonderbare Dinge rund um uns waren. Salz kannte ich nur im Streuer hier würde es in faustballengroßen Stücken angeboten. Zimt ist bei uns daheim etwas was wir in winzigen Mengen in den Apfelstrudel tun, hier konnte man sie für Zeltstangen verwenden. Säckeweise wurde sowas wie Amoniumchlorid für die Verdauung angeboten und wir staunten nur. Die Vielfalt an Farben, Gerüchen und dem Geschehen war toll. Beim Hauptact am Frequenzy ganz vorne ist weniger los.

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Wir wollten bleiben, aber Mr. Tong hatte noch einen Tag Programm für uns. So ging es rasant zur größten Buddhistischen Mönchsschule des Landes weiter. Das große Ereignis das uns Tong zeigen wollte, das Essen der Mönche hatten wir gerade verpasst. Er entschuldigte sich mehrmals. Uns wars Wurscht. Die Schule war, naja halt ein paar Gebäude wo Mönche umhersteigen. Für mich war das interessanteste die Gastronomieküche der enormen Einrichtung. Drei mal täglich wird hier Essen für mehr als 1500 Personen zubereitet. Immer hatte ich die Bilder von den "Restaurantchecken" vor Augen, die bei ihren Qualitätskontrollbesuchen den unwissenden Gastronomen und Fernsehzusehern sagen, dass am besten nur mit Mundschutz, Handschuh und viel Desinfektionsmittel gekocht werden sollte. Eigentlich wie im Op. Hier aber wiegte sich ein wunderschönes Schauspiel aus der Harmonie von Spinnen und Schaben den bodybuilderhaften Köchen und den Helfern die den gefühlt größten Stahl-Held der Welt immer wieder mit Holz befeuerten. Ich bekam Hunger.

Wir fuhren zu irgend einem Tempel und Mr. Tong erzählt uns dessen Geschichte. Ich hatte bereits nach der ersten Jahreszahl abgeschalten und tat es den anderen gleich und nickte freundlich und zustimmend. Erst als jeder ein Foto von dem Ding gemacht hatte schien er zufrieden und wir fuhren weiter.

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Das Auto blieb bereits kurze Zeit wieder stehen. Mr Tong wollte uns die nächste Buddhistische Schule zeigen. Ich fragte mich ob Alex eine Art Religionstour für buddhistische Fanatiker gebucht hatte ohne es zu checken. Die größte Buddhistische Schule und so ein Tempelding hatten mir eigentlich auch schon gereicht. Glücklicherweise wurden meine Befürchtungen gleich zerstreut. Wir waren in eine Art Waisenhaus/Schule gekommen. Halt von einem Mönch gegründet. Tong zählte Jahreszahlen auf. Wir spielten mit den Kindern. Alex war wieder in seinem Element. Endlich konnte er Fotos für Instagram machen und hatte an den Kids dankbare Models gefunden. Ich plauderte mit ein paar Kids in der 7th Grade. Die Kinder waren so lieb und schön wir scherzen darüber dass wir gerne eins mitgenommen hätten.

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Dann ging es auch schon weiter. Mr. Tong hatte volles Programm für uns. Wir besuchten gefühlte hundert Pagoden, fuhren von einem Berg zum Anderen und sahen die scheinbar unendlich vielen Buddas des Landes. Hatte man sie extra für uns hier zusammengetragen?

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Mr. Tong war sehr bemüht und extrem stolz auf die Kultur seines Landes. Wie ein guter Lehrer wollte er sie uns auch näher bringen. Aber jahrelanges Training in der Schule hatte mich auf genau diesen Tag vorbereitet. In schier endlos scheinenden Geschichts-, und Geographiestunden hatte ich bereits gelernt trotz völligem Desinteresse so zu tun, als wäre ich dabei. Also schleppte ich mich mit und lächelte zustimmend. Marlene und Dani hatten eine ähnliche Strategie und ließen halt mal alles über sich ergehen. Alex verstecke sich den Tag über hinter seiner Kamera und war somit kein Ziel für unseren Guide. Nach Besuchen in Ava und bei der Ubein Bridge hatten wir glaube ich zumindest zehn der wichtigsten Punkte gesehen und machten und erledigt auf den Heimweg.

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Nach dem Motto "wer rastet der rostet" brachen wir trotz gerade beendeter zwölfseitiger Tagestour gleich wieder auf. Der Nightmarket musste ja schließlich noch gesehen werden und hungrig waren alle auch. Die eine Straße in der sich das Markttreiben abspielte war aber nicht nur überschaubar sonder auch schon am schließen. Wir brachen Richtung Lokaltipp von Mr. Tong auf. Am Weg entdeckte Dani dann das größte Kaufhaus der Stadt. Im Reiseführer stand über das Nachleben Mandalays quasi, dass es keines gab, außer eine Bar in der Beautyconteste veranstaltet wurden und eben dieses Kaufhaus. Da wir leider zu weit entfernt für die Beautyshow waren schauten wir ins Kaufhaus. Es war am schließen. Nachtleben heißt nicht immer Disco und ich würde mich freuen wenn um 21 Uhr bei uns auf den Straßen soviel los ist wie hier. Im Supermarkt im Untergeschoss ging ich mir schnell ein paar lokale Kuriositäten holen. Das ist für mich immer eins der spannendsten Dinge wenn ich woanders bin. Die Dinge zu kaufen die total crazy verpackt sind und ich nicht mal im entferntesten weiß was es sein könnte. Ich füllte meinen Racksack mit funky Zeug. Bei allem erinnerte die Verpackung an japanische Mangas. Die mussten geil sein. 

Als ich dann rauskam war die Reisegruppe war nicht mehr da wo wir uns getrennt hatten. Scheinbar hatte ich zu lange gebraucht, oder die anderen wollten mich einfach loswerden. Ich muss sagen der Versuch war auch nicht schlecht. Eine fremde Stadt, meine Sachen hatte ich nicht mit, den Namen vom Hotel wusste ich nicht. Bei meinem folgenden Spaziergang durch die Stadt war es dann aber super nett. Ich sah wieder viel Leben auf den Straßen, volle Garküchen und lächenlnde Menschen. In irgendeinem Hotel fragte ich wo denn das Hotel mit dem Pool am Dach wäre und wurde inkl. Stadtplan und Wegbeschreibung nach Hause geschickt.

Ein guter Tag.

 

 

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