Myanmar - Thailand (Tag 6)

Myanmar - Thailand (Tag 6)

Tag 6 - Fahren bis die Fotos passen

Aufgewacht bin ich um sechs Uhr. Noch bevor der Wecker uns quälen sollte. Noch bevor das Fitnessprogramm gestartet hatte. Sogar Alex schlief nämlich noch. Das war mal was. Ich brauchte mir aber nicht all zu lange Sorgen zu machen. Alex wurde wach und die Morgenroutine nahm ihren üblichen Lauf. Ich hatte ein wenig schlechte Gewissen, konnte mich aber immer besser damit abfinden.

Marlene und Dani trafen wir beim Frühstück. Vom Essen her passte es Ihnen hier. Pancakes, Scrambled Eggs, Toastbrot. Gute amerikanische Küche, wie es sich die Beiden bei einem Frühstück in Mandalay eben erwartet hatten. Als wir alle gegen acht Uhr in der Lobby eintrudelten saß unser Fahrer Mr. Pyea natürlich bereits in der Lobby. Ich glaube als ich eine Stunde zuvor zum Frühstücken vorbeikam war er auch schon dort gewesen.

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Grundsätzlich waren alle Brumesen mit denen wir zu tun hatten eigentlich viel zu höflich, zuvorkommend und hilfsbereit. Es entstanden Situationen von denen kleiner von uns wusste, wie wir damit umgehen sollten. Ging man aufs Klo, lief sofort ein Angesteller aufgeregt herbei, um den Vorhang aufzuhalten, der den Toilettenbereich vom Gästebereich trennte. Ein anderes Mal kamen wir vor einem Hotel an und wollten gerade unsere Trakking-Rucksäcke ausladen. Sofort lief ein junger Burmese herbei und war nicht davon abzubringen, dass er alle Rucksäcke allein trug. Wollte man ein Gebäude betreten war es undenkbar die Türe selbst zu öffnen. Sobald wir erblickt wurden brach Panik aus, Gewänder wurden zurecht gezupft, Hüte gerichtet ein wildes Treiben begann. Natürlich durften wir die Türe selbst nicht öffnen. Ich fühlte mich in so einer Situation jedes Mal unwohl. Andere Menschen so für mich arbeiten zu sehen war ich nicht gewohnt. Ich wusste nur keinen Ausweg. Es machte aber den Eindruck, als würde ich die Menschen beleidigen wenn ich ihre Dienste ablehnte. Also geschah es halt. Scheinbar wirkte ich auf die Burmesen wie der stereotypische amerikanische FilmTourist. Wie ein ein Homer Simpson. Es war so unangenehm.

Mr. Pyea ließ es sich dementsprechend auch nicht nehmen unsere Koffer selbst in seinen Toyota zu laden. Hilfe lehnte auch er auch ab. Dann begann die Fahrt. Wir hatten ausgemacht, dass wir die Strecke zum Inle Lake über die Landstraße fahren und ihm immer Bescheid geben wenn wir Stehenbleiben wollten. So war es dann auch. Etwa alle zwanzig Minuten riefen Alex oder ich ganz aufgeregt "Foto, Foto".

Wir hatten dann beispielsweise eine Kuh gesehen. Mr. Pyea musste sich denken wir wären verrückt. Dani und Marlene jedenfalls reichte es nach der fünften Kuh. Sie wollten eigentlich nur zum Lake, hatten es aber aufgegeben was zu sagen. Alex war glücklich. In jedem Reisfeld entstand ein neues Selfie. Dani nutze die Pausen und rauchte ein Packerl Tschig leer.

Ein Buntstift auf Reisen

Irgendwann kamen wir an einer Schule vorbei. Ein Gebäude mitten im Nirgendwo, ohne Fenster und Türen, ohne Strom und Wasser. Und das beste: ohne Lehrer. Mr. Pyea erklärte uns, die Lehrer wären gerade im Dorf Mittagessen. Die Kinder waren halt alleine hier geblieben. Der Traum aller Kinder. Aber irgendwie auch unvorstellbar.

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Endlich hatte ich die Gelegenheit meine Stifte zu verteilen. Papa hatte mir ein Kilogramm alte Bundstifte mitgegeben. Ich sollte sie am Land an Kinder verschenken. Also reisten ein Kilo-Beutel Buntstifte von Österreich nach Myanmar mit mir umher. Eigentlich dachte ich, es wäre absurd, denn wer hat denn bitte keine Stifte? Aber in der Schule war ich richtig. Als ich meinen Stiftbeutel auspackte kamen alle Kids herbei und rissen mir die Stifte aus den Händen. Auftrag erfüllt.

Dann folgen noch viele "Foto, Foto" rufe. Wir sprachen mit Straßenarbeitern, sahen kleine Dörfer, waren auf einer Todesbrücke und vieles mehr. Für die 180km bräuchten wir knapp sieben Stunden. Mir fällt dazu nur ein: die Reise ist das Ziel.

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Spät Nachmittags um Vier waren wir am Inle Lake angekommen. Mr. Pyea hatte das Foto unseres Bootfahrers bekommen. Mit seinem Händy in der Hand, wie bei einem ersten Tinderdate, fuhr er dann suchend den Pier ab. Schnell war der Match erfolgreich und Pyea übergab uns in die fähigen Hände eines Long Tail Boat Fahrers. Von der Erfahrung am den Floating Markets geeicht bestiegen wir wie Profis das Gefährt. Der Fahrer warf seinen Automotor an und wir düsten los.

Die Landschaft hatte sich bereits während unserer Anfahrt zum Inle Lake in den letzten drei Stunden vollständig verändert. Nichts mehr vom flachen Ackerland, auf dem in Reisfeldern vereinzelt Strohhütten standen. Stundenlang waren wir eine kurvige Straße einen Berg empor geklommen. Meterhohe Teakholzbäume, Bananenfelder, und Dschungel bedecktem die Landschaft. Bilder wie ich sie nur aus Universum-Folgen kannte. Während unserer Fahrt fiehl mir auf, dass der Inle Lake in Mitten von Bergen liegt. Es war Filmkulissenhaft.

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Unser Hotel lag dann eine halbe Stunde entfernt am anderen Ende des Sees. Eine Straße rund um den See gibt es nicht alle Wege werden mit Booten zurück gelegt. Wie Idyllisch.

Das "Paramount Inle Resort" war auf Stelzen in den See hineingebaut. Die Aussicht war der See auf allen Seiten. Wir teilten uns auf zwei Stelzenhütten auf. Beschreiben kann ich das ganze nur mehr schwer, aber es sah alles wie auf einer Postkarte aus.

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