Myanmar - Thailand (Tag 7)

Myanmar - Thailand (Tag 7)

Tag 7 - Zigarren, Caffee und Lotus

Aufgewacht bin ich heute kurz nach sechs Uhr früh durch den Flusslärm. LongTail Boote mit Automotor als Antrieb. Im Minutentakt brausten sie an unserer Hütte vorbei. Alex schlief tief und fest. Scheinbar war mein Schnarchen intensiver und er war bereits abgehärtet. Ich war an zu Hause erinnert. Wenn sich die Straßenbahn klingelnd ihren Weg durch die hupenden Autos des Morgenverkehrs bahnte. Inle Lake als asiatische Filmkulisse hin oder her. Hier wars nicht anders als in Ottakring.

Nach Morgenyoga und Balkonselfie hatte Alex auch nichts mehr zu tun uns wir warteten beim Frühstück auf Dani und Marlene. Zum Frühstück trafen wir uns alle um 8 Uhr. Um neun ging ja bereits die heutige Erkundungstour über den See los. Unser Guide Mr. Tean wartete mit einem Boot bereits an der Anlegestation des Hoteleingangs. Er hatte einen wildbepacken Plan für unseren heutigen Tag.

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Nachdem aber die Reisegruppe schon etwas jammrig war, die Strapazen der letzten Tage wirken sich aus, machen wir aus das Programm zu reduzieren. Alle waren wir uns einig, dass wir heute keine Pagonen und Tempel mehr sehen wollten. Mr. Tean wirkte dann etwas enttäuscht aber nahm es hin. Immerhin, wollten wir ja zu den springenden Katzen, und die waren ja auch in einem Tempel. Etwas Buddha musste einfach sein.

Schwimmende Tomaten

Der erste Weg führte uns mal auf den See. Mr. Tean zeigte uns die Hydrokulturen in Mitten des Sees. Ich unterbrach mein normales Abnicken seiner burmesisch-englischen Erläuterungen aus Jahreszahlen und Geschichtsereignissen. Was hier Mitten im See gab es Tomatenplantagen? Wir fuhren mit dem Boot weiter. Es wurde immer grüner und siehe da, es tauchten Tomatenstauden auf. Die Tomaten wuchsen im Wasser ohne Erde. Stattdessen sammelten die Tomatenbauern Seetang. Grosse Seetangballen dienten dann als Untergrund für die Tomatenstaude. Das ganze Gebilde schwimm dann quasi umher. Es war wie Science Fiction. Nur die Bauern auf ihren Holzflossen mit großen Strohhüten die Tomaten pflückten wiesen auf simples Handwerk hin. Ansonsten hätte mich eine chinesische Erntedrohne in diesem Moment auch nicht gewundert. 

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Unzählige Fotos später fuhr unser Boot in ein Dorf hinein. Mr. Tean erklärte uns, dass es rund 200 kleiner Dörfer im See gibt. So wie bei uns mit Kirche, Stadtkern und Dorfplatz war das Dorf zu meiner Überraschung dann aber nicht. Es handelte sich um eine loose Ansammlung an Stelzenhäusern mitten im See. Im Film "Waterwold" war es ähnlich. Sollte die Erde also wirklich untergehen hatten die Inle Lake Bewohner schon einen erheblichen Vorsprung gegenüber dem Rest der Welt.

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Wir wunderten uns aber vor allem darüber wie denn hier die Kinds Daten. Es gab ja immerhin keine Disco, keinen Ort wo sie zusammen kommen könnten und man brauchte sogar ein Boot um von Haus zu Haus zu kommen. Unser Guide erklärte uns dass das gemeinsame Ernten und der Markt die eigentlichen Kennenlernpunkte wären. In Alexs Gesicht, dem es die burmesischen Frauen angetan hatten, konnte ich genau erkennen wie er sich überlegte zur nächsten Ernte zu kommen.

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Wir hatten aber endlich an einem Ort angelegt der Dani glücklich zu machten schien. Es roch nach Tabak, am Boden saßen Frauen und Zigarren wurden mit getrockneten Tabakblättern gerollt. Natürlich war das ganze eine Touristenattraktion, die Tabakpflanze wuchs ja nicht am Inle Lake, sondern viel höher in den Bergen, aber dennoch war das Ganze cool. Touristen gab es außer uns keine. Die ganze Aufmerksamkeit viel auf uns und das fanden alle gut. Jeder bekam eine Zigarre, Tee und die Erklärung über den Entstehungsprozess. Gemerkt habe ich mir nichts davon. Aber eine Großpackung Zigarren habe ich. Wie es sich für brave Touristen gehört, kauften wir alle was. Vielleicht waren wir doch wie Homer Simpson Touristen. An den Tempeln nicht interessiert, merken könnten wir uns nichts, aber Zigarren rauchte jeder.

Lutuspflücken

Nach etwas umhergecrouise auf dem See waren wir dann auch schon in einem anderen Dorf. Diesmal war es ein nicht ausschließlich für Touristen inszeniertes Schauspiel. Eine Lotusfabrik. Lotus war mir eigentlich nur von der Blume in asiatischen Filmen ein Begriff. Diese Blume wächst auf einem langem Stängel. Und der Inle Lake bietet scheinbar gute Bedingungen für ihr Wachstum. Im inneren des Lotusstängels sind hauchdünne Fäden die in mühseliger Handarbeit rausgezogen werden können. Quasi die Grundsubstanz für Stoff aus Lotus. Wie das geschieht wurde uns hier gezeigt. Eine rundliche Burmesin saß am Boden. Neben ihr ein Lotus-Stengelberg. Ihre Tagesbeschäftigung war es diese aufzubrechen und die Fäden rauszupulen. Wie zach das ganze war ließ sie sich aber nicht anmerken. Mit einem fetten Lächen im Gesicht präsentierte sie stolz ihr Können.

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Wir probierten es natürlich auch. Obwohl wir kläglich versagten meinte sie bemutternd "very good". Ich konnte kaum glauben dass Menschen das echt machen. Um 20m Faden zu gewinnen saß die gute Frau acht Stunden. Lotusstengel für Lotusstengel. Kein Wunder, dass ein Schal dann im Schop so um die 240$ kostete. Wir aber waren glücklich mit den dünnen Freundschaftsbändern die sie uns um die Arme gebunden hatte.

Unsere nächste und für heute letzte Station führte uns in den Temple der springenden Katzen. Marlene hatte sich seit wochendarauf gefreut. Genau wusste ich nicht was da los sein würde aber irgendwas mit Mönchen und Katzen die eben umherspringen. Meine Freunde hielt sich in Grenzen. Im Gegensatz zu Marlene hatte ich auf die meisten Impfungen verzichtet. Alle Reiseführer warnten davor Tiere zu streicheln. An einen Ort zu fahren wo man also von Katzen angesprungen wird brauchte ich eigentlich nicht unbedingt. Aber wir waren ein Team und das hält zusammen. Auch wenn das heißt dass ich dann Tollwut habe. Im Tempel angekommen erklärte uns Mr. Tean dass ein neuer Ober-Mönch letztes Jahr übrigens hier übernommen hatte. Der wollte nicht mehr dass hier so eine Touristenattraktion stattfindet und hat alle Katzen rausgetan. Marlene wurde bleich. Noch ein Tempel und keine Katzen? Betrug! Mr. Tean erzählte uns über die Geschichte des Tempels und über die Buddas. Wir hatten alle abgeschaltet. Als genug Zeit vergangen war und es uns nicht mehr unhöflich ihm gegenüber erschien sagten wir dass es ganz cool wäre nun zu gehen.

Etwas enttäuscht uns nicht mehr zeigen zu dürfen brachte uns Mr. Tean zurück zum Hotel. Wir verabschiedeten uns und waren froh den restlichen Abend nichts zu tun zu haben. Ich hatte am Nachmittag Burmesischen Militärs-Rum gekauft und der war dann unsere Abendbeschäftigung als wir die vorbeifahrenden Boote beobachteten.

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