Myanmar - Thailand (Tag 11)

Myanmar - Thailand (Tag 11)

Tag 11: No Wet No Fun

Nun bereits zum zweiten Mal bin in unserer offenen Bambushütte unter meinem Moskitonetz aufgewacht. Beim Tageslicht waren die vielen Löchern im alten Netz erst wirklich gut zu sehen. Aber die Natur funktionierte wie Sie sollte: mein Schnarchen hatte die meisten Fiecher in der Nacht ferngehalten. Die Moskitos fürchteten sich scheinbar vor dem großen Bären der da lag. So musste ich nur wenige Stiche mit Kratzen versorgen. Im Nebenzimmer rumorte Alex bereits. Morgenyoga war angesagt. Alles nahm wieder seinen gewohnten Lauf: Yoga, Instagramstory, Frühstück mit Marlene und Dani. Marlene war auch heute wieder in ihr Rambo-Trakking Outfit gehüllt. Ich war wie gestern ausgestattet: Gar nicht, und erntete nur einen Blick der sagte: "Wirst schon sehen..."

Kurz nach Acht wartete schon ein ungeduldiger Fahrer mit einem Pickup auf uns. Uns kam die kurze Fahrt dann sehr abenteuerlich vor. Wie in den Öffis in Mandaly wurden wir auf der offenen Ladefläche transportiert und herumgeschleudert bis wir am Elephant-Rescue angekommen waren. Vor meinem letzten Thailand-Trip hatte ich mich gar nicht informiert. Wie alle Touristen machten wir eine mehrtägige Tour durch Chiang Mai - Elefanten-Reiten inklusive. Das war dann ziemlich traurig. Wie im Vergnügungspark standen hunderte Touristen in einer Schlange. Immer Zwei wurden dann, hinter einen Reiter auf einen Elefanten gesetzt, und im Kreis geritten. Ging das Tier nicht schnell genug, peitschte der Reiter mit einem Bambusrohr, mit einem Nagel dran, drauf ein. Mehr Tierquälen hatte ich bisher nicht erlebt und wollte das keinesfalls mehr machen. Es war schrecklich und ich habe auch allen, die ich kenne, davon abgeraten in Thailand Elephant-Riding zu machen.

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Elephant Rescue Khao Sok

Marlene wollte aber unbedingt mal einen Elefanten sehen. Die Quäl-Elefantentour kam jedoch für keinen in Frage. Wir hatten im Internet das Khao Sok Elephant Sanctuary gefunden. Das schrieb zwar auf der Website eher viel Zeug darüber wie schön und toll Elefanten sind und eher weniger darüber was dort geschieht, aber das Wort Sanctuary war vielversprechend.

Als wir ankamen wurden wir nicht enttäuscht. Der Besitzer begrüßte uns persönlich und erklärte was nun anstünde. Wir würden zusammen mit einem Elefanten zum Fluss runter spazieren, ihn dort mit Schlamm einreiben und dann fest abschrubben. Anziehen sollten wir nur eine Badehose. Zuvor durfte noch jeder eine Banane in den Mund des Elefanten stecken. Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl. Der Elefant hat ja vorne keine Zähne und nur eine enorme Zunge. So lag dann der ganze Unterarm umhüllt von Zunge und Gaumen im Elefanten. Es fühlte sich an, als würde eine gigantische Schnecke am Arm sitzen. In der Runde wurden kindische Gynäkologen-Witze gemacht. Aber es blieb keine Zeit zum Kopfschütteln, denn es ging los: Der Elefant wusste was ihn erwartete und trottete zum nahegelegenen Fluss. Dort legte er sich rein und wartete wie eine Prinzessin auf die Waschung. Wir stiegen in den Fluss und badeten den Elefanten. Dem gefiel es scheinbar ganz gut. Hier und da furzte er glücklich und eine Elefanten-Flade schwomm glücklich den Stom entlang an uns vorbei.

Am Rückweg erzählte uns der Besitzer, dass er den Elefanten von einem Riding-Camp hatte. Nun da dieser bei ihm war würden seine Haare wieder wachsen und es ginge ihm sichtbar besser. Er hatte nur zwei Elefanten und wollte aber im kommende Jahr mehr retten. Wir fanden es super dort und würden nochmal hingehen.

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Während wir unsere Füße reinigten, wartete Jack schon auf uns. Er sollte unser Dschungelguide für heute sein. Marlene hatte nämlich eine private Tour durch den Dschungel für uns gebucht. Nach unserem gestrigen Erlebnis freute ich mich eigentlich nicht besonders darauf. Aber jetzt waren wir schon Mal da und so war halt Mitmachen angesagt. Gleich merkte ich aber, dass Jack viel motivierter als war, als der Ranger mit dem wir am Tag zuvor spazieren waren. Der kleine quirlige Thailänder quatschte viel und und machte damit gute Stimmung. Die eineinhalbstündige Fahrt zum Cheow Lan Lake in Mitten des Khao Sok Nationalparks verging dann wie im Flug. Als Jack seine Sonnenblende runterklappe, in der ein Haufen von CDs stecke, fiel uns sein ungewöhnlicher Musikgeschmack auf. Alex frage verwundert, ob er denn Deutsch spreche und die Texte verstehen würde. Jack erzählte uns, dass dies das Auto seines Stiefvaters wäre, der aus der Schweiz kommt. Deshalb spricht er auch ein paar Wörter Deutsch. Die restliche Fahrt, über die Landstraßen durch den Dschungel, dröhnte es dann Rammstein aus den Boxen. Jack wollte uns scheinbar einen Gefallen damit tun.

Am See angekommen kletterten wir in ein Long Tail Boot. Es war der Start der heutigen Dschungeltour. Der Cheow Lan Lake ist zwar nicht wirklich mit dem Inle Lake zu vergleichen, aber alle waren wieder beeindruckt. Nach rund zehn Minuten Fahrt tauchten vereinzeled Felsen mitten im See auf.

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Bald sah es aus, wie in dem Bond mit Roger Moore, wo der Bösewicht auch auf so einer Felseninsel wohnt. Irgendwie unrealistisch schön und ich fragte mich ob die vielleicht extra für die Touristen hier her gesetzt wurden. Nach einer halben Stunde legten wir dann an einem Steg bei einem Felsen an. Dort gab eine große und etwa zehn kleine Bambushütten, die scheinbar zur Übernachtung am See dienten. Jack sagte, nun sollten wir kurze Hosen anziehen und alles was wir bei uns hatten hier liegen lassen. Auch die Schuhe sollten wir ausziehen und bekamen Plastikschwimmschuhe. Marlene war sichtlich bestürzt. Diese Dinger könnten ja wohl kaum besser sein, als die Mountain-Boots die sie extra für heute um die ganze Welt geflogen hatte. Auf erneute Nachfrage ob wir denn nass werden würden meinte Jack nur "no wet, no fun", lachte und ging auch schon los.

Im Gegensatz zum Vortag gingen wir heute keine Wandertour für Pensionisten. Wir durchquerten zuerst mal einen Fluss. Jack war sichtlich erfreut. Nun waren alle bis zum Baunabel nass und das war schon mal ein gelungener Start. So gut ging es dann weiter. Wir sprangen, rutschten und kletterten. Steine, Matsch und Lignanen waren unsere Wegbegleiter. Ich fühlte mich wie Lara Croft als wir nach zwei Stunden unser Ziel, den Wasserfall im Dschungel, erreichten. Dort war es nicht nur schön, es war auch der ideale Ort zum Selfie machen und so war auch Alex mehr als zufrieden mit dem Verlauf der Tour. Als wir Stunden später wieder in Jacks Auto einstiegen waren wir natürlich alle komplett erledigt, aber auch glücklich.

Mit etwas ungutem Gefühl, weil ich ja so viel gejammert hatte, bedanke ich ich bei Marlene, dass sie uns zur Tour gezwungen hatte. Die Heimreise war dann noch etwas skurriler als die Hinfahrt. Jack packte noch einen älteren Mann zu uns in Auto. Dani durfte sich den Beifahrerplatz mit den Herren teilen. Dann wurde wieder Rammstein aufgedreht und wir düsten eine Stunde lang zu sechst mit Rammstein über die Dschungel-Landstraßen zu unseren Bambushütten.

Den Abend verbrachten wir zusammen mit einem einem New Yorker Pärchen. Auch sie hatten eine Dschungeltour gemacht und fühlten sich wie wir ausgepowert. Gemeinsam sammelten wir bis in die frühen Morgenstunden bei Cocktails und Bier neue Energie für die Weiterfahrt nach Koh Samui.

 

Hinweise und Links in diesem Artikel

Elephant Rescue Khao Sok

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